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Für die Ermittlung des Garnbedarfs eines eigenen Entwurf – etwa einem selbst gestrickten Top oder einem Strickpullover – gibt es zwei grundlegende Möglichkeiten: der Garnbedarf kann geschätzt oder berechnet werden. Das bedeutet, entweder kann man sich nach den Verbrauchsangaben für ein ähnliches Modell aus dem selben Material richten und den Garnbedarf auf dieser Grundlage grob überschlagen oder man kann den ungefähren Garnbedarf selber ausrechnen. Beide Herangehensweisen werden im Folgenden ausführlich beschrieben.

 

Den Garnbedarf schätzen
Soll ein ähnliches Strickmodell als Vorlage für einen eigenen Entwurf dienen, hilft eine Strickanleitung weiter, die sich bereits bewährt hat. Es lohnt sich also dafür alte Strickanleitungen aufzuheben. Auf der Grundlage dieser Strickanleitung beziehungsweise den jeweiligen Angaben beim verwendeten und benötigten Material für das Vorgängermodell, kann der Garnbedarf für den Entwurf eines eigenen Strickdesigns geschätzt werden.


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Wichtig zu wissen ist, dass sowohl Größe und Strickmuster des Vorgängers als auch das Material ähnlich ausfallen sollten wie für das geplante Modell. Denn ist das Vorbild im Zopfmuster gestrickt, fällt der Garnbedarf geringer aus, wenn das neue Design davon abweichend glatt rechts gestrickt entstehen soll – und umgekehrt. Genauso verhält es sich beim verwendeten Material: Ist das Muster das selbe oder ähnlich, verbraucht etwa ein sehr feines Lacegarn immer noch mehr Wollknäuel als ein dicker Faden aus Alpakawolle.

Grundsätzlich gilt: Es ist immer ratsam ein wenig mehr Wolle oder Garn zu kaufen als zu wenig; vor allem dann, wenn der Garnbedarf für ein Strickmodell nicht genau ermittelt werden kann. Geht einem mitten in der Strickarbeit das Material aus, kann man es zwar theoretisch in der selben Farbnummer nachkaufen, aber es ist nicht sicher, dass es auch in der selben Partienummer erhältlich ist. Hier gibt es sechs Tipps für den Wolleinkauf und wo die Partienummer auf der Garnbanderole steht und warum sie zu den wichtigsten Angaben auf der Garnbanderole zählt, kannst du hier nachlesen.

 

Den Garnbedarf berechnen
Um den Garnbedarf für einen eigenen Entwurf berechnen zu können, braucht es drei Dinge: Ein Knäuel des gewünschten Garns, eine Waage und ein Maßband. Darüber hinaus muss zu diesem Zweck eine Maschenprobe (in dem gewünschten Muster) gestrickt werden.




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Für das Probestück werden für gewöhnlich zehn mal zehn Zentimeter benötigt. Kleiner sollten die Maße der Maschenprobe nicht ausfallen, sind sie größer, ist das kein Problem – beziehungsweise sogar eher von Vorteil. Ist das Probestück fertig gestrickt, wird es gewogen und das Gewicht notiert. Für das nachfolgende Rechenbeispiel gehen wir der Einfachheit halber von einem zehn mal zehn Zentimeter großen Probestück aus, das ein Gewicht von zehn Gramm hat.

Des Weiteren sollte die Größe beziehungsweise die tatsächlichen Abmessungen des Entwurfs bereits feststehen. Im Falle eines Pullovers werden die folgenden Maße benötigt: die Rückenbreite und die Länge vom Hals bis zur Unterkante – jeweils für das Vorderteil und für das Rückenteil. Und schließlich die Länge der Ärmel und die Oberarmbreite.

Nun geht es ans Rechnen. Die mathematische Grundlage dafür ist die Flächenberechnung. Als Erstes wird die Fläche der Maschenprobe berechnet: Für das Beispiel-Probestück der Größe zehn mal zehn Zentimeter beträgt die Fläche 100 Quadratzentimeter.

Dann errechnet man die ungefähre Fläche jedes Einzelteils des geplanten Strickstücks. Dazu multipliziert man immer die größte Breite mit der Gesamtlänge – denn wir wissen: lieber groß denken und dann etwas zu viel Garn haben als zu wenig. Die Einzelergebnisse für die Strickteile werden addiert und die Summe durch die Fläche des Probestücks geteilt. Das Ergebnis wird mit dem Gewicht des Probestücks multipliziert.

 

Eine Beispielrechnung: Den Garnbedarf für einen Pullover berechnen
Das Rückenteil des Beispiel-Pullovers hat an der breitesten Stelle eine Breite von 46 Zentimetern, die Gesamtlänge vom Hals bis zur Unterkante beträgt 50 Zentimeter. Diese beiden Werte werden nun miteinander multipliziert, um die (ungefähre) Gesamtfläche des Rückenteils zu ermitteln. In diesem Beispiel beträgt die Gesamtfläche des Rückenteils: 2300 Quadratzentimeter. Das Vorderteil des Beispiel-Pullovers hat die selben Maße wie das Rückenteil. Damit beträgt die Gesamtfläche des Vorderteils ebenfalls 2300 Quadratzentimeter.

Kommen wir zu den Ärmeln: Die Oberarmbreite des Beispiel-Pullovers misst 30 Zentimeter und die Ärmel sind jeweils 58 Zentimeter lang. Miteinander multipliziert, beträgt die Fläche eines Ärmels 1740 Quadratzentimeter und für beide Ärmel das Doppelte: 3480 Quadratzentimeter.

Nun werden die einzelnen Werte der Flächenangaben addiert: 2300 Quadratzentimeter für das Rückenteil plus 2300 Quadratzentimeter für das Vorderteil plus 3480 Quadratzentimeter für die beiden Ärmel ergibt eine Gesamtfläche von 8080 Quadratzentimeter. Diese Gesamtfläche wird durch die Fläche des Probestücks (100 Quadratzentimeter, s.o.) geteilt. Nach diesem Rechenschritt stehen 80,80 Quadratzentimeter zu Buche. Das bedeutet, dass man rund 81 mal soviel Wolle für den Beispiel-Pullover wie für das Probestück (der Größe zehn mal Zentimeter, s.o.) benötigt, also 81 Gramm mal zehn Gramm (8100 Gramm).

8100 Gramm sind eine ganze Menge. Der Grund, warum der Garnbedarf für den Beispiel-Pullover so hoch ausfällt, ist, dass die einzelnen Strickteile der Einfachheit immer an der breitesten Stelle gemessen wurden. Da etwa ein Pulloverärmel oben breiter ist als unten, und wir bei der Berechnung die Oberarmbreite zugrunde gelegt haben, kommen wir im Ergebnis auf diesen recht hohen Garnbedarf. Zudem wurde die Halsausschnitte bislang nicht berücksichtigt.

Um das Ergebnis der Realität anzunähern, zieht man an dieser Stelle noch einmal zehn Prozent vom Ergebnis ab. Zehn Prozent von 8100 Gramm sind 810 Gramm. Somit beträgt der ermittelte Garnbedarf für den Beispiel-Pullover: 7290 Gramm.

Text: Christiane Mester

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